Zusammenarbeit mit Agenturen zur Vermittlung von Arbeitskräften

Zusammenarbeit mit Agenturen zur Vermittlung von Arbeitskräften

Mehr Notlösung als Wunschsituation

Die ÖBOG führte im Dezember eine Umfrage zur Situation der Saisonarbeitskräfte im Obst- und Gemüsebau durch mit besonderem Fokus auf Agenturen und Arbeitskräftevermittler. An der Umfrage beteiligten sich 198 Betriebe, der überwiegende Teil davon (82 %) aus dem Obstbau. Damit liefert die Erhebung einen aussagekräftigen Einblick in die aktuelle Situation.

Der hohe Anteil an Obstbaubetrieben und die vergleichsweise geringe Beteiligung aus dem Gemüsebau lassen sich damit erklären, dass Gemüsebaubetriebe deutlich seltener auf Arbeitskräftevermittler zurückgreifen. Sie beschäftigen häufiger Stammarbeitskräfte, die aufgrund längerer Beschäftigungszeiträume leichter langfristig für den Betrieb gewonnen werden.

Bei den meisten teilnehmenden Betrieben stammt der Großteil der Arbeitskräfte aus EU-Mitgliedstaaten. Bei rund fünf Prozent der Betriebe kommen die meisten Arbeitskräfte aus der Ukraine zum Einsatz, ein ähnlicher Anteil der Betriebe beschäftigt vor allem Arbeitskräfte aus Asien.

Viele Betriebe rekrutieren ihre Arbeitskräfte über eigene Kontakte in den Herkunftsländern. Die Zusammenarbeit mit Agenturen und Vermittlern ist seltener als erwartet, die große Mehrheit der Betriebe hat bislang keine Erfahrungen mit solchen Dienstleistern gemacht. Den Ergebnissen zufolge werden Vermittler vor allem bei sehr kurzen Beschäftigungszeiträumen oder in Ausnahmesituationen in Anspruch genommen – etwa dann, wenn eingeplante Arbeitskräfte kurzfristig nicht kommen oder vorzeitig abreisen.

Die Zufriedenheit mit privaten Vermittlern und Agenturen fällt sehr unterschiedlich aus. Auffällig ist, dass ein und dieselbe Agentur je nach Betrieb zum Teil sehr unterschiedlich beurteilt wird, was stark mit der Zufriedenheit mit den vermittelten Arbeitskräften zusammenhängt. Als häufigste Gründe für Unzufriedenheit wurden vorzeitige Abbrüche und mangelnde Motivation genannt. Darüber hinaus wurden auch permanente Nachforderungen, Verunreinigungen der Unterkünfte sowie Alkoholmissbrauch angeführt.

Die meisten über Agenturen rekrutierten Arbeitskräfte kommen aus Rumänien. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass Anstellungen innerhalb der EU – insbesondere bei kurzfristigen Beschäftigungen – deutlich einfacher abzuwickeln sind als bei Arbeitskräften aus Drittstaaten. Dennoch haben die teilnehmenden Betriebe auch Erfahrungen mit Agenturen aus Drittstaaten, etwa aus der Ukraine oder Vietnam.

Neben den praktischen Problemen wurden in der Umfrage sehr häufig auch organisatorische und bürokratische Hürden angesprochen. Besonders genannt wurden Engpässe bei den Kontingentplätzen, unflexible Arbeitszeitregelungen, das Ersatzkraftverfahren sowie lange Verfahrensdauern. Die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden wurde von der Mehrheit der Betriebe dennoch positiv bewertet.

Auf die Frage, ob es geplant ist künftig Arbeitskräfte aus anderen Herkunftsländern zu rekrutieren, antwortete etwa ein Viertel der Betriebe mit Ja. Engpässe im Bereich der Kontingente sind daher nicht auszuschließen. Eine Anpassung der Kontingente bleibt somit eine zentrale politische Forderung, für die starke Aufklärungsarbeit sowohl auf Bundesebene als auch in den Bundesländern notwendig ist.

Die Umfrage lieferte wertvolle Einblicke in die aktuelle Situation und stellt zugleich eine wichtige Datengrundlage für die politische Arbeit dar. In nächster Zeit ist daher ein Webinar zum Thema Arbeitskräfteüberlassung geplant. Dabei soll praxisnah aufgezeigt werden, wie Synergien zwischen Betrieben genutzt werden können, um die Beschäftigungsdauer in Österreich zu verlängern und Arbeitsplätze attraktiver zu gestalten. Der genaue Termin wird rechtzeitig über die Landesobst- und Gemüseverbände kommuniziert.