2026 zeigt Grenzen auf – Klimaanpassung braucht massive Anstrengungen und neue Wege
2026 zeigt Grenzen auf – Klimaanpassung braucht massive Anstrengungen und neue Wege
Nach einer bereits sehr herausfordernden ersten Jahreshälfte hat eine weitere extreme und anhaltende Hitzewelle ab Ende Juli die Situation nochmals deutlich verschärft.
Die ohnehin bereits durch schwächere Blüte und Spätfrost geschmälerte Ernte wurde durch Extremwerte bis 40 °C und extreme Trockenheit auf der Zielgeraden nochmals massiv reduziert, manche Kulturen sogar vollständig zerstört.
Das gesamte Ausmaß der Schäden an den Obstkulturen wird sich demnächst zeigen und war zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht abschließend beurteilbar.
Viele Obstbaubetriebe haben in den vergangenen Wochen einen enormen zusätzlichen Einsatz geleistet, zur Sicherung von Ertrag und Qualität wurden Bewässerungsmöglichkeiten und Kulturmaßnahmen ausgeschöpft. Und wieder hat sich gezeigt, dass man ohne die ausreichende Verfügbarkeit von Wasser solchen Wetterextremen weitgehend hilflos gegenübersteht. Natürlich haben heuer auch Bewässerungssysteme ihre Grenzen aufgezeigt.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der diesjährigen Extrembedingungen sind für die betroffenen Betriebe extrem, aber auch für die gesamte Obstbranche enorm belastend. Besonders problematisch ist, dass die Produktionskosten durch zusätzliche Aufwendungen weiter gestiegen sind und die Ernte deutlich kleiner ausfällt.
Es ist bekannt, dass bei Äpfeln der Verlust von fünf Millimetern Durchmesser einen Mengenverlust von etwa 20 Prozent bedeutet. Das Defizit bei der Fruchtgröße wird bei vielen Betrieben voraussichtlich aber noch größer ausfallen. Zudem wird ein Teil der Früchte aufgrund von Sonnenbrand, Hitzeschäden oder fehlender Tafelobstqualität nicht als Tafelware vermarktet werden können.
Gestiegene Produktionskosten und geringere Erträge haben die Kosten je Kilogramm Frucht teilweise verdoppelt. Leider ist kaum zu erwarten, dass sich diese Kostensteigerung durch entsprechend hohe Preise ausgeglichen werden. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass Konsumentinnen und Konsumenten ab einer bestimmten Preisschwelle auf günstigere Importware zurückgreifen.
Daher müssen weiter alle Kräfte gebündelt werden, um künftig mit vergleichbaren Herausforderungen zurechtzukommen und wettbewerbsfähig produzieren zu können.
Rund 30 % der Apfelfläche kann aktuell bereits bewässert werden. Auf einem Großteil dieser Flächen konnte die Ernte dadurch auch gut abgesichert werden. Um die heimische Produktion langfristig aufrechtzuerhalten, müssen jedoch noch zahlreiche weitere Flächen mit einer Wasserversorgung ausgestattet werden. Die dafür notwendigen Investitionen sind enorm. Für viele Betriebe sind diese Ausgaben aufgrund der angespannten Erlössituation auch trotz der guten Förderunterstützung kaum oder gar nicht mehr leistbar.
Für die langfristige Erhaltung der heimischen Landwirtschaft braucht es daher ein Bündel an Maßnahmen, eine entscheidende ist die Wasserbereitstellung. Die Beschaffung und Sicherung von Wasser sollte nicht länger überwiegend als Einzelaufgabe der Betriebe betrachtet werden, sondern verstärkt gemeinsam und auf regionaler Ebene gelöst werden. Auch gilt es, sowohl zusätzliche Wasserressourcen zu erschließen und vorhandene Potenziale effizienter zu nutzen. Für die landwirtschaftliche Lebensmittelproduktion sollte ein erleichterter und bevorzugter Zugang zur Wassernutzung ermöglicht werden. Diesbezüglich könnte beispielsweise die Nutzung von Überschusswasser der Wasserverbände erleichtert werden.
Viele Obstbaubetriebe haben den klaren Willen, die heimische Obstproduktion aufrechtzuerhalten und ihren Betrieb weiterzuentwickeln. Die Zeit drängt jedoch: Jedes Jahr mit Ernteausfällen lässt Kapital und Motivation schwinden und stellt freibleibende Regalfläche für Importware zur Verfügung.

