Versorgungssicherheit braucht Investitionen – Wer sichert die Ernte von morgen?

Versorgungssicherheit braucht Investitionen – Wer sichert die Ernte von morgen?

Nach einem bereits gut überstanden geglaubten Frühjahr setzte der Spätfrost Ende April noch ein unerwartet kräftiges Zeichen. Eine einzige Frostnacht hat gereicht, um rund 20 Prozent unserer Obsternte zu vernichten. Wäre die Temperatur nur um ein einziges Grad tiefer gefallen, hätten wir erneut eine Katastrophe wie im Jahr 2016 erlebt.

Kaum waren diese Schäden halbwegs verdaut, folgte Ende Juni bereits die erste Hitzewelle des Sommers. Über viele Tage hinweg lagen die Temperaturen in weiten Teilen Österreichs deutlich über 35 °C, regional wurden sogar Werte knapp an der 40-Grad-Marke gemessen. Gleichzeitig blieb der dringend benötigte Regen aus, und die Ernteeinbußen durch die anhaltende Trockenheit wurden von Tag zu Tag größer. Was früher als außergewöhnlich galt, entwickelt sich immer mehr zur neuen Realität.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Der Juni 2026 war laut GeoSphere Austria der viertwärmste Juni der 259-jährigen Messgeschichte und brach mit Höchsttemperaturen bis 40 °C neue Rekorde. Zuvor war das Frühjahr mit rund 50 Prozent weniger Niederschlag als im Klimamittel 1991–2020 der trockenste Frühling der Messgeschichte. Auch der europäische Klimadienst Copernicus bestätigt Jahr für Jahr neue Temperaturrekorde und zeigt, dass sich Europa schneller erwärmt als viele andere Regionen der Erde.

Kaum eine andere Sparte der Landwirtschaft ist von den Auswirkungen des Klimawandels so unmittelbar betroffen wie der Obstbau. Wer heute eine Obstanlage errichtet, muss erhebliche Investitionen tätigen und trifft eine Entscheidung für die nächsten 15 bis 20 Jahre. Angesichts der sich rasch verändernden klimatischen Bedingungen ist das keine einfache unternehmerische Aufgabe. Umso wichtiger sind verlässliche Rahmenbedingungen und finanzielle Unterstützung nach Schadensereignissen. Ernteversicherungen bleiben in diesem Zusammenhang für unsere Betriebe unverzichtbar. Sie schaffen die notwendige Grundlage, damit Betriebe nach Schadensereignissen überhaupt weiter investieren und sich an die veränderten klimatischen Bedingungen anpassen können. Gleichzeitig wird es notwendig sein, das Versicherungsangebot – insbesondere für Schäden durch Hitze und Dürre – weiter auszubauen und den öffentlichen Zuschuss zur Versicherungsprämie langfristig sichern.

Klar ist aber auch: Versicherungen allein lösen das eigentliche Problem nicht. Sie ersetzen einen Teil des Einkommens, aber keine österreichischen Äpfel im Regal. Versorgungssicherheit lässt sich nicht versichern – sie muss produziert werden. Deshalb führt auch an weiteren Investitionen kein Weg vorbei. Frostschutz und eine gesicherte Wasserversorgung werden immer mehr zu entscheidenden Voraussetzungen für die Zukunftsfähigkeit der Betriebe. Wer auch in zehn oder zwanzig Jahren noch erfolgreich Obst produzieren möchte, wird in Wasserspeicher, intelligente Bewässerungssysteme und neue Technologien investieren müssen.

Gleichzeitig hat sich auch das Erfolgsmodell unserer Betriebe grundlegend verändert. Vor einigen Jahrzehnten war ein gutes Obstjahr dann gegeben, wenn alle gute Ernten hatten. Heute gilt zunehmend das Gegenteil: Erfolgreich sind jene Betriebe, die gerade dann hochwertige Ernten erzielen, wenn Wetterextreme das Produktangebot einschränken. Wer in schwierigen Jahren liefern kann, profitiert nicht nur von besseren Marktpreisen, sondern stärkt die gesamte Branche und wird zu einem verlässlichen und geschätzten Partner des Handels.

Dieser enorme Investitionsbedarf wird jedoch nur mit der Unterstützung von Politik und Gesellschaft zu bewältigen sein. Daher fordert die Interessenvertretung des Erwerbsobstbaus ganz klar, dass die Klimaanpassung in der nächsten GAP-Periode eine deutlich stärkere Gewichtung bei den Fördermaßnahmen bekommt. Investitionen in Wasserinfrastruktur, Bewässerung, Wasserspeicherung sowie Frost- und Hagelschutz sind keine Luxusinvestitionen, sondern eine Investition in die langfristige Sicherung der heimischen Lebensmittelproduktion.

Genauso wichtig sind aber auch Rahmenbedingungen, die den Betrieben das Wirtschaften erleichtern – oder vielfach überhaupt weiter ermöglichen. Während die Anforderungen an die Produktion kontinuierlich steigen, wird die Verfügbarkeit wirksamer Pflanzenschutzmittel immer weiter eingeschränkt, gleichzeitig nehmen Bürokratie und Dokumentationspflichten laufend zu. Überbordende Kontrollen, praxisferne Unterweisungspflichten, unflexible Arbeitszeitregelungen für Erntearbeiten oder hohe Lohnnebenkosten bei Saisonarbeitskräften binden Zeit und Ressourcen, die auf den Betrieben dringend für die eigentliche Produktion gebraucht werden.

Am Ende geht es um weit mehr als um die Zukunft einzelner Obstbaubetriebe. Es geht um die Frage, ob Österreich auch künftig in der Lage sein wird, seine Bevölkerung mit hochwertigem heimischem Obst aus regionaler Produktion zu versorgen. Regionale Lebensmittel, kurze Transportwege und hohe Produktionsstandards werden von der Gesellschaft zu Recht eingefordert. Dann muss der Erhalt dieser Produktion aber auch den entsprechenden Stellenwert bekommen – in politischen Entscheidungen ebenso wie im Kaufverhalten der Konsumentinnen und Konsumenten.

Die österreichischen Obstbaubetriebe sind bereit, ihren Beitrag zu leisten und Verantwortung zu übernehmen. Jetzt braucht es den gleichen Gestaltungswillen in der Politik.